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Die 50/50 Ehe: Warum sie nicht funktioniert

 

 

Die 50/50 Ehe: Warum sie nicht funktioniert

von Sara Wallace auf www.gospelcenteredmom.com

 

Eine verrückte Ehe?

Kürzlich habe ich etwas im Fernseher gesehen, was mich sehr überrascht hat. Eine blonde, charmante junge Frau erzählte in einer Talk Show hemmungslos der ganzen Welt, dass sie jeden Tag und auf jede erdenkliche Weise gerne ihrem Mann dient.

"Wenn mein Mann von der Arbeit kommt, halte ich eine warme Mahlzeit für ihn bereit. Ich schlafe immer mit meinem Mann, wenn er es möchte. Ich erwarte von ihm keinerlei Hilfe bei der Hausarbeit. Es ist meine Aufgabe, mich um ihn zu kümmern, und das tue ich gerne."

Der Gesichtsausdruck von Courney Joseph (Autorin des Buches "Women Living Well", zeigte, dass sie meinte, was sie sagte. Die Gesichter der Frauen im Publikum waren schwerer zu deuten. Sie brachten eine Mischung aus Überraschung, Mitleid, Respekt, und vor allem Verwirrung zum Ausdruck.

Eine Frau die ihrem Mann von ganzem Herzen dient?

Ich fand dieses Interview so untypisch im Vergleich zu allem anderen, was ich je in einem säkularen Fernsehprogramm gesehen hatte. Doch ein weiter Gedanke brannte in meinem Herzen: Auch in christlichen Kreisen höre ich diese Aussage nicht häufig. Ich beschloss, einige Frauen nach ihrer Meinung zu fragen.

Schon bald ergab sich in einem Cafe die Gelegenheit, als einige Frauen sich dort zu einer Bibelstunde einfanden. Ich fragte sechs Christinnen, und ihre Antwort war immer die gleiche: "Ja sicher, ich diene meinem Mann auf diese Weise, solange er auch seinen Teil beiträgt. Es ist völlig unzumutbar, keine Hilfe von ihm zu erwarten. Ich tue meinen Teil, er seinen."

Das macht Sinn. Aber die Antwort wirft doch eine Frage auf, die offenbar niemals ausgesprochen wird: Was passiert, wenn er seinen Teil nicht tut? Was passiert, wenn du einen schlechten Tag hast, und du trägst deinen Teil nicht bei? Ist es okay für Partner, ihre Dienste nur dann einzubringen, wenn gewisse Bedingungen erfüllt werden? Diese Arbeitsteilung scheint von einer ganzen Reihe "falls" abhängig zu sein. Falls er seinen Teil beiträgt... Falls er auch mir dient... Falls er genauso hart arbeitet, wie ich...

Nach meinem Gespräch mit diesen Frauen fiel mir etwas auf. Während die Welt das, was Courtney tut, verrückt findet, haben christliche Ehefrauen einen anderen Begriff dafür: "des Guten zu viel".

"Ich kann meinem Mann auch dienen, ohne alles alleine zu tun, so wie sie. Meinem Mann zu dienen, bedeutet nicht, seine Sklavin zu sein!" Die Frauen fühlen sich viel wohler damit, das Gleichgewicht einzufordern. Wovon wir hier sprechen ist die 50/50 Ehe.

 

Kultur versus Bibel

Seit der feministischen Bewegung der sechziger Jahre hat die Idee der 50/50 Ehe unsere Gesellschaft durchdrungen. Und es durchdringt auch die Gemeinden. Sie scheint Sinn zu machen im Lichte der Ideale Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit. Wir haben ein Recht darauf, fair behandelt zu werden. Wir haben ein Recht darauf, respektiert zu werden. Wir verdienen es, dass wir genauso viel heraus bekommen, wie wir rein stecken.

Während Gott selbst der größte Verfechter der respektvollen Behandlung von Frauen ist (1 Petrus 3,7), sucht man die 50/50 Ehe in der Bibel doch vergeblich. Sie appelliert an die menschliche Logik, statt sich auf die Bibel zu berufen. Doch Gottes Wort kann menschliche Logik auf den Kopf stellen. In Christus sind wir zu wahrer Freiheit berufen: Der Freiheit von Sünde. Und nun dürfen wir diese Freiheit in einer ganz unerwarteten Art und Weise nutzen:

"Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder; nur macht die Freiheit nicht zu einem Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe." Galater 5,13

Wir haben die Freiheit, zu dienen. Das ist eine ganz einzigartige Einstellung, die wir von Natur aus nicht haben. Ohne das erneuernde Werk Gottes in unseren Herzen, ist es völlig unmöglich für uns, so zu denken. Als Christen finden wir unsere Freiheit nicht darin, wie andere uns behandeln, sondern wie Gott durch Christus uns behandelt hat.

Dies verringert unseren Wert als Frauen auf keine Weise. Es ist schlimm, dass viele Ehefrauen wie Fußabtreter behandelt werden, und dass es ihnen daher würdelos erscheint, noch mehr zu dienen. Wir müssen innehalten und uns daran erinnern, dass unser Wert nicht davon abhängt, wie unsere Männer auf unseren Dienst reagieren. Vielleicht schätzt dein Mann alles was du tust, und tut dir auch Gutes, oder eben nicht. Wir wissen, dass wir wertvoll sind, weil Gott seinen eigenen Sohn für uns gegeben hat. Nun müssen wir nicht selbst dafür sorgen, dass Gerechtigkeit geschieht. Gott wird es für uns tun. Unser Leben muss nicht so eingerichtet sein, dass wir auf jeden Fall fair behandelt werden. Wir sind befreit worden von der egozentrischen Denkweise, die unsere Freude und Zufriedenheit erstickt.

Stell dir Folgendes vor: Du stehst am Spülbecken und kümmerst dich um das schmutze Geschirr, während du dich auf einen ruhigen, entspannten Abend zuhause freust. Plötzlich fällt dir etwas auf. Dein Mann sitzt auf der Couch, die Füße hochgelegt, und schaut eine Sportsendung. "Hm, ich wünschte, ich könnte jetzt auch Fernseher gucken!", ist dein erster Gedanke. "Ich meine, warum sollte ich nicht ab und zu auch mal vor dem Fernseher sitzen dürfen? Haben wir nicht beide den ganzen Tag gearbeitet? Haben wir nicht gerade das Abendessen gegessen, das ich zubereitet habe? Oh, jetzt streiten die Kinder schon wieder. Ich werde jetzt sicher nicht auch noch den Streit schlichten. Nicht, wenn ich schon das Geschirr spülen muss. Das muss ER jetzt machen. Ich kann nicht glauben, dass er einfach so ruhig sitzen bleibt. Hört er das Geschrei denn nicht?" Als du endlich ins Wohnzimmer stürmst, um die streitenden Kinder zu trennen, kochst du vor Ärger. Kurz bevor du gesehen hattest, dass dein Mann mehr Ruhe hat als du, hast du deine Arbeit noch voller Zufriedenheit getan. Er ist völlig ahnungslos, was mit dir vorgeht. In deinen Augen versäumt er wichtige Pflichten als Ehemann, und dabei bemerkt er es nicht einmal.

Das Problem mit dem 50/50 Prinzip ist, dass es keine Gerechtigkeit schafft, sondern Verbitterung. Warum? Meistens bist du darauf bedacht, dein eigenes Recht einzuklagen, und nicht das des anderen. Denk darüber nach. "Ich möchte wirklich, dass wir unsere Aufgaben gerecht verteilen, damit du nicht mehr arbeiten musst als ich." Denkst du so, oder nicht eher anders herum? Wir denken zu gut von uns selbst, wenn wir der Meinung sind, unsere Einstellung sei wirklich 50/50. Sie ist es nicht. Unser Herz zieht natürlicherweise unsere eigenen Interessen vor. Sollte dein Mann dir helfen? Ja. Ist er wichtiger, als du? Natürlich nicht. Doch Gott hat uns Christen nicht die Aufgabe geben, uns selbst Recht zu verschaffen. Er sagt, dass wir dies ihm überlassen sollen. Er gibt uns stattdessen andere Anweisungen:

"Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst." Philipper 2,3

Einmal war ich zum Mittagessen mit einer Freundin verabredet, und sie erzählte mir, wie sie mit ihrem Mann die Hausarbeit teilt. "Wir arbeiten beide. Wenn wir heim kommen, sind wir daher beide müde.", sagte sie. "Er kocht besser als ich, daher kümmert er sich um die Küche, und ich mache die Wäsche und das Putzen. Es funktioniert wunderbar, weil wir nicht jeden Tag neu überlegen müssen, wer was macht." Ihre Vorschläge hörten sich super an. Wenn man weiß, wer was zu tun hat, spart das Zeit, und jeder weiß, was er zu erwarten hat. Solche Listen können sehr hilfreich sein. Das Problem entsteht dann, wenn man eine solche Liste nimmt, und sie zu einem Vertag macht. Plötzlich verbinden wir jede Aufgabe mit unausgesprochenen Bedingungen. Wenn es Lücken in der Vertragserfüllung gibt, dann fühlen wir uns dazu berechtigt, bitter zu sein, und zu nörgeln.

Wir müssen auch bedenken, dass Männer und Frauen oft verschiedenen Aufgaben unterschiedliche Wertigkeit verleihen. Ein Mann denkt, dass er das Brot verdient, bringt ihm genug Punkte ein, um sich auszuruhen, sobald er heim kommt. Die Frau denkt aber, sein acht Stunden Job ist nichts verglichen mit ihrem 24/7 Einsatz in der Kindererziehung, mit lediglich wenigen Zeiten der Ruhe hier und da. Wer darf entscheiden, was mehr Wert ist?

Habt ihr je dieses Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern gelesen?

"Johannes, wenn Petrus am Freitag die Lahmen heilt, bedeutet dies, dass du am Sonntag mit der Predigt dran bist!" Als Jesus von seinen Jüngern auffuhr, hatte er nicht vorher die Zeit genutzt, um die Aufgabenbereiche einzuteilen, und sicher zu stellen, dass alles fair zugeht. Stattdessen kniete er auf dem Boden und wusch ihre Füße. Dann forderte er sie auf, ihm gleich zu tun.

Die Erwartung einer 50/50 Ehe bringt immer den Gedanken in den Vordergrund, was ich selbst verdient habe. Wenn es je eine Person auf dieser Erde gab, die es wirklich verdient hat, dass man sie bedient, so war es Jesus. Und er wusste es. Aber er gab willig seine Rechte auf, und diente dennoch anderen.

"Gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele." Matthäus 20,28

 

Entscheidung für die Freude

In deiner Ehe liegen große Schätze der Freude, wenn du willig bist, deine Erwartung an die Fairness aufzugeben. Entscheide dich dazu, deinen Ehemann an sich als großen Segen zu sehen. Alles, was er für dich tut, ist das Sahnehäubchen. Wenn er mal eine Windel wechselt, dann rollst du nicht mit den Augen und denkst: "Na, das wurde auch Zeit!" Stattdessen wirfst du deine Arme um ihn und rufst: "Danke, Schatz! Ich weiß, dass dir das nicht leicht fällt!"

Wenn du aufhörst, alles ausbalancieren zu wollen, tritt ein anderes erstaunliches Phänomen auf: Du bemerkst plötzlich all die Dinge, die er für dich tut, und die du vorher überhaupt nicht wahrgenommen hast, weil du zu beschäftigt damit warst, enttäuscht von ihm zu sein. Du hattest einen guten Grund, ihn zu heiraten. Lange bevor die Babys und das Geschirr sich anhäuften. Da ist eine Flamme, die neues Öl bekommt - und er wird es merken. Er wird plötzlich eine zufriedene Frau haben, die ihm Wertschätzung entgegenbringt, und das wird ihn dazu anspornen, dir noch mehr Gutes zu tun.

Es gibt einige Testfragen, die dir offenbaren können, ob du an der 50/50 Ehe festhältst:

Fühlst du Bitterkeit in dir aufsteigen, wenn du siehst, wie dein Mann sich ausruht? Versuchst du ununterbrochen zu vergleichen, wer wieviel Arbeit hat? Erwartest du häufig Hilfe von ihm, und fühlst dich dann vernachlässigt?

Es ist Zeit, loszulassen. Es ist Zeit, aufzuhören mit all den Gedanken darüber, was er tun sollte. Konzentriere dich darauf, was du für ihn tun sollst. Es ist schwer, sich von diesen Gedanken zu verabschieden, weil wir Angst haben, dass unsere Arbeit für selbstverständlich gehalten wird. Wir haben Angst, dass unsere Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden. Aber wir müssen diese Angst nicht haben. All unsere Bedürfnisse sind in Christus gestillt. Ihm können wir uns anvertrauen. "Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht wieder, als er litt, drohte er nicht, sondern übergab es dem, der gerecht richtet." 1 Petrus 2,23

Unsere Ehemänner werden uns enttäuschen. Wenn wir erwarten, dass unsere Männer die Bedürfnisse stillen, die nur von Christus gestillt werden können, dann müssen sie scheitern. Es könnte sein, dass dir die Erwartungen, die du an deine Ehe hast, die Freude rauben. Die Wahrheit ist: Du kannst nicht die 50/50 aufrecht erhalten, und gleichzeitig deinem Mann von ganzem Herzen dienen. Du musst dich entscheiden. Deine Rechte verteidigen ist ein Full-time-job. Es bleibt kein Raum für Gnade. Es führt nicht zu der erfüllten Ehe, die wir uns vorgestellt haben. Wenn du unermüdlich für die Hälfte der Ehe kämpfst, dann ist dies genau das, was du am Ende haben wirst: Eine halbe Ehe. Macht eure Listen, teilt die Hausarbeit ein, und besprecht klare Ziele. Aber übergib diese Liste jeden Tag neu deinem Herrn, und sei entschlossen, deinem Mann zu dienen. Ganz unabhängig davon, ob er die Bedingungen erfüllt, und seinen Beitrag leistet.

Wenn es in deiner Ehe um Liebe geht, dann kann sie nicht 50/50 aufgeteilt werden. Liebe ist ungeteilt. Liebe ist überfließend. Liebe ist 100%. Unabhängig davon, was die andere Person gibt. Wir haben das Vorbild dessen, der in seiner Liebe für uns alles gegeben, und nichts zurückbehalten hat. Lasst uns unbegrenzt lieben, wie unser Erlöser, und die übernatürliche Liebe haben die keine Grenzen kennt.

"Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, gleichwie ich euch geliebt habe. Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben lässt für seine Freunde." Johannes 15,12-13

 

 

 

27.5.17 22:19
 
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